ChessBase Magazin 142

ChessBase Magazin 142
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Au revoir Amber! Die 20. und zugleich letzte Auflage des Klassikers mit Blind- und Schnellschachpartien mit dem Sieger Levon Aronian bildet eines der Schwergewichte dieser Ausgabe. Auf der DVD kommentiert u.a. Magnus Carlsen seine Gewinnpartie gegen den Weltmeister, und Vugar Gashimov erläutert die Finessen seines Angriffssieges gegen Vladimir Krannik. Das zweite Turnierhighlight bildet die Europameisterschaft in Aix-les-Bains, die traditionell als superstarkes Open durchgeführt  wurde. Mit Vladimir Potkin, Judit Polgar und Radoslaw Wojtaszek haben alle drei Medaillengewinner ihre besten Partien für Sie kommentiert. Ein weiteres Highlight bilden Ruslan Ponomariovs Kommentare zu seinen Partien bei der Russischen Mannschaftsmeisterschaft. Die DVD bietet in 14 Eröffnungsartikeln jede Menge Anregungen für Ihr Repertoire sowie Trainingsdatenbanken für Ihr strategisches und taktisches Gespür.

 

Einleitungsvideos

Der Hamburger Großmeister Karsten Müller stellt Ihnen in seinem Einleitungsvideo gewohnt pointiert die Inhalte dieser Ausgabe vor und wirft einen ersten Blick auf ausgewählte Highlights wie Magnus Carlsens Schwarzsieg gegen Vishy Anand oder die Gewinnführung des neuen Europameisters Vladimir Potkin gegen Ter Sahakyan. Aus den Eröffnungsartikeln hat sich Müller diesmal zwei Repertoirevorschläge für Schwarz herausgepickt, zum einen eine Waffe gegen die Spanische Abtauschvariante und zum anderen einen soliden Aufbau gegen das Evans-Gambit. Was Karsten Müller nicht erwähnt, das ist seine eigene Endspielrubrik sowie seine ausführlichen Endspielanalysen im Videoformat, in denen auch Partien vom Amber-Turnier auf dem Prüfstand stehen. Auch die sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Dorian Rogozenco fasst in seinem Videorückblick auf die vergangenen Monate die Turnierhöhepunkte für Sie zusammen. U.a. zeigt er Ihnen einige taktischen Feinheiten in der Partie Jobava-Potkin, die für den Ausgang der Europameisterschaft wegweisend war. Vom Amber-Turnier präsentiert Ihnen der rumänische Großmeister einige Momente aus der Blindpartie Kramnik-Ivanchuk. Folgen Sie Rogozencos Analysen und staunen Sie, wie präzise diese starken Spieler derart komplizierte Stellungen selbst im Blindschach zu behandeln vermögen!
12.03-24.03.2011


Brettdesign "Blindall"
Aronian gegen Carlsen
 

Amber Blind- und Schnellschachturnier

Vor 20 Jahren beschenkte der zweifache Fernschachweltmeister und Schachmäzen Joop van Oosterom die Schachwelt erstmals mit einem einzigartigen Weltklasseturnier, bei dem es um ein Kräftemessen der besonderen Art geht. In Minimatches traten die Teilnehmer in je einer Blindschach- und einer Schnellschachpartie gegeneinander an. Die luxuriöse Unterbringung in Spitzenhotels und der Umstand, keine Elo-Punkte einbüßen zu können, trugen zudem zu einer besonderen und entspannten Atmosphäre bei. Nach zwanzig Jahren ist nun Schluss, weil der Sponsor sein Engagement aus gesundheitlichen Gründen einstellt. In die Siegerliste trug sich zum nunmehr dritten Mal Levon Aronian ein. Den Ausschlag gab dessen ausgezeichnetes Ergebnis von 8,5 auf 11 im Blindschachturnier. Magnus Carlsen war seinen Konkurrenten in der Schnellschachwertung zwar mit 9,5 aus 11 weit enteilt, doch das reichte nicht, um sein durchschnittliches Ergebnis im Blindschach zu kompensieren.


Gashimov,V - Kramnik,V
Stellung nach 9.g4

"It's great pitty that it was the last Amber tournament". Mit diesen wenigen und einfachen Worten zu Beginn seiner Parteianalyse gegen Kramnik bringt Vugar Gashimov die Gefühlslage der Teilnehmer des Abschiedsturniers auf den Punkt. Der Aserbaidschaner erzielte bei seiner zweiten Teilnahme ein achtbares Ergebnis im Mittelfeld. In der besagten Partie gegen den Exweltmeister umging Gashimov das Endspiel der Berliner Verteidigung mit 4.De2 und brachte mit 7.La4 fast eine Neuerung (es gibt nur eine Vorgängerpartie, Adams-Kramnik, Blitz-WM 2007). Mit 9.g4 (s. Diagramm) legte Gashimov die Karten auf den Tisch, und nach Kramniks 9...Sh7 setzte er mit dem Abtausch auf d5, der Postierung seines Springers nach e4 und schließlich dem Vorstoß g5 seinen Angriff fort. In seiner Analyse führt Gashimov die Details seiner Strategie aus und zeigt, an welcher Stelle dem Exweltmeister der entscheidende Fehler unterlief. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und vollziehen Sie die weiße Angriffsführung mit den Kommentaren des Siegers nach.


Anand,V - Carlsen,M
Stellung nach 28.Th1

Das Minimatch zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand hat geradezu exemplarischen Charakter für das Spiel des Norwegers auf diesem Turnier. In der Blindpartie ging sein Grand-Prix-Angriff regelrecht nach hinten los. Nach nur 10 Zügen hatte er einen isolierten Trippelbauern auf der c-Linie und keine realistischen Argumente für eine entsprechende Kompensation. Carlsen hielt sich in der Folge zwar am Leben doch im Turmendspiel ließ er schließlich die Remischance ungenutzt. In der Schnellschachpartie hingegen ergriff er aus der Eröffnung heraus die Initiative - auch Anand vermied die Berliner Verteidigung mit 4.De2 - und nutzte einen Fehler im Verteidigungsspiel des Weltmeisters zum Durchbruch am Königsflügel und zum entscheidenden Eindringen seiner Figuren über die g-Linie. Klicken Sie auf Anand,V - Carlsen,M und erfreuen Sie sich an den Kommentaren des norwegischen Ausnahmespielers.


Carlsen,M - Aronian,L
Stellung vor 18.Sxf7

Auf der DVD finden Sie alle Partien des Amber-Turniers, viele davon mit detaillierten Analysen. So kommentiert z.B. GM Mikhail Krasenkow das Spitzenduell Carlsen-Aronian aus der dritten Runde. Im Grünfeldinder mit dem seltenen 7.Da4 neuerte Aronian mit dem natürlich aussehenden 7...a6, verpasste aber, wie Krasenkow darlegt, verschiedene Chancen, direkten Ausgleich zu erreichen. Stattdessen eroberte Carlsen den schwarzen d-Bauern und hätte in der Brettstellung links nach 18.Dc6 Lxd5 19.Dxd5 Sxe5 20.Dxd8 Tfxd8 21.dxe5 ein klar vorteilhaftes Endspiel bekommen. Doch er entschied sich für das zweifellos spektakulärere 18.Sxf7, wonach ein weitaus komplexeres Endspiel mit ungleicher Materialverteilung entsteht. Der Mut wurde diesmal nicht belohnt. Carlsen übersah oder unterschätzte wenige Züge später den Abzugsangriff 26...Se8 und musste am Ende sogar noch um das Remis kämpfen.
22.03.-02.04.2011


Titel geht über Torte
Vladimir Potkin

Europameisterschaft in Aix-les-Bains

"Es gibt Ereignisse, die noch mehr Anlass zum Feiern geben, als ein Geburtstag", resümiert der neue Europameister Vladimir Potkin mit Blick auf den bislang größten Erfolg seiner Schachlaufbahn. Der 28-jährige Russe hat sich den Sieg zweifellos verdient. Vom Start weg legte er couragiert los (5 aus 5) und führte das Feld bis zur 8. Runde alleine an. Den entscheidenden Schritt zum Titelgewinn schaffte er mit einem spektakulären Schwarzsieg in der Vorschlussrunde gegen Jobava. Diese Partie sowie seine Gewinnpartie aus der vierten Runde kommentiert Potkin auf der DVD (s.u.). Dass sich Schachpausen im Hinblick auf Motivation und Kreativität auch bei Spitzenspielern positiv auswirken können, belegt das Abschneiden von Judit Polgar. Die nach wie vor Führende der Frauenweltrangliste zeigte beherztes und zuweilen spekulatives Schach und landete am Ende punktgleich mit Potkin und dem Silbermedaillengewinner Wojtaszek auf dem dritten Platz. Auf der DVD kommentiert sie ausführlich zwei Ihrer besten Partien.


Ter Sahakyan,S - Potkin,V
Stellung vor 27...Lxg5

Zu den Opfern von Vladimir Potkins Siegesserie zu Beginn der Meisterschaft zählte u.a. der 18-jährige Armenier Ter Sahakyan. Bei ihrem Zusammentreffen bei der EM 2008 in Plovdiv hatten sich beide Seiten friedlich gestimmt gezeigt. In Aix-les-Bains hingegen herrschte Kampfesstimmung, und in der Sizilianischen Paulsen-Variante gingen die Kontrahenten jeweils rasch zum Königsangriff über. In seiner Analyse erläutert Vladimir Potkin das in einer Trainingssitzung mit Konstantin Landa ersonnene Springeropfer auf e5, mit dem er sich in dieser Partie die Initiative verschaffte. Sein junger Gegner unterschätzte in der Folge das Potential der schwarzen Attacke und entfernte seine Springer zu weit vom eigenen König. In der Brettstellung nach 27.c3 führte Potkin mit 27...Lxg5 28.Dxg5 Txc3+ den entscheidenden Schlag durch und gewann wenige Züge später. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und lassen Sie sich die Partie vom Europameister erklären.


Jobava,B - Potkin,V
Stellung nach 16...0-0

Nach vier Remisen in Folge gehörte Potkin vor der vorletzten Runde weiterhin zur Spitzengruppe, doch um seine Chance zu wahren, musste er mit Schwarz gegen Baadur Jobava punkten, der sich seinerseits ebenfalls Hoffnung auf einen Podestplatz machen durfte. Auch hier rochierten beide Seiten auf verschiedenen Flügeln, aber Potkins Rochade im 16. Zug (s. Diagramm) erwies sich als raffiniert und i.g.S. als partieentscheidend. Denn mit diesem Zug ignorierte er nicht nur die weiße "Drohung" 17.Sd5, sondern bereite zugleich das Damenopfer 17...cxd5 18.Sxb6 axb6 vor. Für den durchschnittlichen Vereinsspieler jenseits des Erkenntnishorizonts steht Schwarz danach bereits klar besser. Denn Schwarz vermag dank seines aktiven Figurenspiels ungeahnte Drohungen gegen den weißen König zu generieren. Potkin analysiert die taktischen Finessen dieser Partie, die schon nach 26 Zügen endete, sehr ausführlich. Nach dem Gewinn dieser Partie reichte dem Russen mit Weiß ein Kurzremis gegen Polgar zum Titelgewinn.


"hunger to play"
Judit Polgar

"I had my hunger to play and challenge myself". So beschreibt Judit Polgar rückblickend Ihre Einstellung zum Schach während der Europameisterschaft. Beste Voraussetzungen für eine Angriffsspielerin von ihrem Schlage. Und so gelang ihr in Aix-les-Bains trotz eines missratenen Starts Schachhistorisches: Als erste Frau überhaupt gewann sie bei einer Europameisterschaft eine Medaille. Nach einer Niederlage in der sechsten Runde gegen den überraschend starken Österreicher Marcus Ragger schien sie mit nur 4,5 Punkten schon aus dem Rennen zu sein. Doch dann ließ Judit Polgar eine furiose Aufholjagd mit vier spektakulären Siegen folgen.


Pantsulaia,L - Polgar,J
Stellung vor 11...b5

Das erste Opfer dieser Siegesserie war der junge Georgier Levan Pantsulaia in Runde 7. Offenbar im Bestreben, seine Gegnerin früh aus der Vorbereitung zu bringen, brachte Pantsulaia das ungewöhnliche 4.Dc2. Judit Polgar lässt in ihrem Kommentar kein gutes Haar an diesen Zug und deckte in der Partie sofort dessen Nachteile auf. In der Brettstellung opferte sie zunächst mit 11...b5 die Qualität und ließ nach 12.Lxa8 Dxa8 13.Sf3 mit 13...Sd3 gleich noch ein Figurenopfer folgen - nicht etwa, weil das objektiv der beste Zug gewesen wäre, sondern "weil der Zug so gut und verlockend aussah", dass sie nicht umhin konnte, ihn auszuprobieren. Natürlich ging die Sache gut. Pantsulaia fand zwar zunächst den richtigen Plan, um seine Figuren aus der Umklammerung zu lösen, und gab auch korrekt eine Qualität zurück. Am Ende war der psychische Druck wohl doch zu groß, und mit 26.Df3 beging er den entscheidenden Fehler. Spielen Sie diese faszinierende Partie nach und lassen Sie sich von Judit Polgar viele fantastische Varianten zeigen.


Polgar,J - Iordachescu,V
Stellung nach 15...c4

In der vorletzten Runde wählte Judit Polgar gegen Caro-Kann erstmals in einer Turnierpartie die Vorstoßvariante und überraschte damit ohne Frage Ihren Gegner Viorel Iordachescu. Nach 3...Lf5 setzte sie mit dem auf den ersten Blick beschiedenen 4.Sd2 und nach 4...e6 mit 5.Sb3 fort. Die Idee hinter diesem Springermanöver ist, das frühzeitige c6-c5 zu unterbinden oder zumindest zu erschweren. Nach 10 Zügen war der erste kritische Moment erreicht, und Iordachescu führte dennoch den normalerweise thematischen c5-Vorstoß durch. Zu früh, wie Polgar in Ihrer Analyse bemerkt. Denn nach Abtausch auf c5 und Zwischenschach auf b5 folgte der Konter 15.c4! (s. Diagramm). Und nach 15...a6 16.cxd5 axb5 17.Tc1 Db8 18.dxe6 fxe6 19.Db3 steht Schwarz schon mit dem Rücken zur Wand. Der Moldawier fand in dieser schwierigen Stellung nicht die richtige Verteidigungsstrategie und musste am Ende die Abwicklung in ein völlig verlorenes Turmendspiel zulassen.


Wojtaszek,R - Hracek,Z
Stellung nach 16...e5

Dank der besseren Feinwertung schob sich der polnische GM Radoslaw Wojtaszek vor Polgar auf den zweiten Platz. Der frühere Jugendweltmeister blieb wie auch der Turniersieger von Aix-les-Baines ungeschlagen. Auf der DVD kommentiert er seinen Angriffssieg gegen den tschechischen GM Zbynek Hracek. In der Partie wählte Wojtaszek den Aufbau 4.Sf3 und 5.g3 gegen Ninzoindisch, obwohl er damit bislang keine guten Resultate erzielt hatte. Mit dem seltenen 7.Dc2 bereitete er ein positionelles Bauernopfer (9.0-0) vor, das er in seiner Vorbereitung gründlich studiert hatte. Der Plan ging auf, auch deshalb, weil Hracek am Brett nicht immer die richtige Lösung fand. In der Diagrammstellung nach 16...e5 verschaffte sich Wojtaszek mit dem Qualitätsopfer 17.Txc5 Dxc5 18.Td5 Db4 19.Lxe5 Te8 20.Le4! entscheidenden Vorteil und zwang seinen Gegner wenige Züge später zur Aufgabe. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und lassen Sie sich von Wojtaszeks Glanzpartie und seinen Kommentaren anregen.

Die große Zahl hochklassiger Partien bei der EM 2011 hat GM Mihail Marin zum Anlass genommen, die neuen Eröffnungstrends und -ideen wiederum in übersichtlicher Form für Sie zusammenzustellen. Den Schwerpunkt legt Marin auf die verschiedenen Sizilianischen Systeme, Grünfeldindisch, Nimzoindisch sowie einige populäre Spielweisen gegen Caro-Kann (Vorstoßvariante klassisch ebenso wie in der neuen Version mit 4.Sd2 und 5.Sb3 sowie die Fantasy-Variante).
12.04.-23.04.2011


Sieg für Shshm64
Jeder Brettpunkt zählt

Russische Mannschaftsmeisterschaft

Die diesjährige Auflage der Russischen Mannschaftsmeisterschaft endete in einem Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Mannschaften: Das mit Ponomariov, Motylev, Areshchenko, Inarkiev, Bologan mit russischen Topspielern besetzte Team Tomsk-400 führte bis zur Halbzeit und wurde in der achten Runde von der internationaler besetzten Truppe "Schachmagazin 64" eingeholt. Am Spitzenbrett von Shsm-64 nahm überraschend Boris Gelfand Platz, obwohl der nur wenig später beim Kandidatenturnier in Kasan einen wesentlich wichtigeren Termin wahrzunehmen hatte. Am Ende fiel die Entscheidung denkbar knapp aus. Nach elf Runden trennte das Siegerteam aus Gelfand, Wang Hao, Caruana, Giri, Riazantsev, Grachev Potkin, Najer nur ein halber Brettpunkte von den Verfolgern. Vom neuen Russischen Meister hat Fabiano Caruana, und vom Vizemeister Ruslan Ponomariov sehenswerte Partien kommentiert.


Caruana,F - Areshchenko,A
Stellung nach 14...f5

Im Duell der Spitzenmannschaften traf Fabiano Caruana auf Alexander Areshchenko. Gegen dessen Grünfeldinder wählte der Italiener zur Abwechslung den Aufbau mit 7.Sf3 und folgte damit u.a. der Partie Giri-Nepomniachtchi aus Wijk 2011. Im 12. Zug verbesserte er das Spiel des Holländers mit der Neuerung 12.d5 (Giri bestätigte Caruana im Anschluss an die Partie die Güte dieser Neuerung). Nach 14.f4 war der weiße Plan offenkundig: das mächtige Bauernzentrum rollte voran, und so war Areshchenkos Konter 14...f5 logisch und richtig. In dieser Stellung (Diagramm) entschloss sich Caruana, die Qualität zu opfern. Wie das? Nach dem prinzipiellen 15.e5 folgte g5 16.Tg1 gxf4 und nun der Einschlag 17.Txg7. Die Crux: Entgegen dem ersten Eindruck - so Caruana - ist es Weiß, der hier um Ausgleich kämpfen muss, denn seine Kräfte sind schwer zu aktivieren und sein König steht ebenfalls offen. Doch der junge Russe beging nur wenig später einen schweren Fehler und verschenkte mit 21...b6 sogar den möglichen Sieg.

Ruslan Ponomariov
kommentiert
Eine weitere Paarung im Duell der Spitzenteams lautete Gelfand,B - Ponomariov,R. Gelfand musste nur zu 4 der 11 Runden antreten, aber zu diesem Match in Runde 10 musste er noch einmal ran. Und wie schon in den Partien zuvor, erreichte er auch hier ein Remis. Ruslan Ponomariov hingegen sammelte am Spitzenbrett von Tomsk-400 kräftig Punkte und gehörte mit 7,5 aus 10 zu den Topscorern der Meisterschaft. Gegen Gelfamd erprobte er im Katalaner nach 6.0-0 dxc4 7.Dc2 das scharfe und noch relativ junge 7...b5 (zuletzt erfolgreich von Vallejo Pons und Gustafsson angewandt). Doch Gelfand zeigte ich auf der Höhe der Zeit und kam mit Hilfe natürlicher Züge mit einem leichten Vorteil aus der Eröffnung. Nach einem schweren Fehler Ponomariovs (21...De7) hätte er durchaus auf Gewinn spielen können. Doch 25.Kh2? erwies sich schlicht als Zeitverlust, und so nahm der Russe das Angebot, sich ins Remis zu retten, dankend an.
 


Ivanchuk,V - Ponomariov,R
Stellung vor 22...Lxf3

In der Partie Ivanchuk-Ponomariov kam eine seltene Spanisch-Variante (3...Sf6 4.d3 Lc5 5.0-0 d6 6.c3 0-0 7.Sbd2 a6 8.Lxc6) aufs Brett, in der der frühere FIDE-Weltmeister seine Figuren aber bestens zu bewegen wusste. Im Mittelspiel wählte der Ukrainer mit 20.e5 einen falschen und zu ambitionierten Plan. Der Konter kam postwendend. Zwei Züge später begann Ponomariov seine Attacke auf den weißen König mit dem Läufereinschlag auf f3 (s. Diagramm). Und nach 23.gxf3 Dh4 24.Te4 dxe5 25.Td7 folgte die Pointe: 25...Tg6+ 26.Kf1 und nach 26...Tg2 gab Ivanchuk kopfschüttelnd auf. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und spielen Sie die Partie mit den Analysen des russischen Super-GMs nach.
Kolumne Move by Move

Erdogdu - Pelletier
Stellung nach 21.Sh4
Welcher Zug ist der beste? King hat sechs verschiedene Antworten mit Punkten (oder gar Minuspunkten versehen)
Von der Eröffnungsfalle bis zur Endspielstudie

Training im ChessBase Magazin beginnt mit den allerersten Zügen und umfasst alle Phasen einer Schachpartie. Die aktuellen 14 Eröffnungsartikel mit vielen Ideen und Anregungen für Ihr Repertoire finden Sie hier oder oben bei den Links. Die Eröffnungsfalle von Rainer Knaak (inklusive Fritztrainer-Video) enthält diesmal eine Falle aus dem Sizilianer mit 2...g6 3.d4 Lg7 (B27), zudem wird gleich ein ganzes Repertoire für Weiß gegen den schwarzen Aufbau angeboten. Im Videoformat sind auch die Eröffnungsbeiträge von Leonid Kritz (Französisch Winawer-Variante), Sam Collins (Sizilianisch Sweschnikow), Valeri Lilov (Sizilianisch Rossolimo) und Adrian Mikhalchishin (Angenommenes Damengambit) erstellt worden. Diese Videos und eine weitere Aufnahme von Nigel Davies finden Sie in der Rubrik Fritztrainer. Das Thema von Peter Wells in seiner Strategie-Kolumne lautet: "Verdoppelte f-Bauern vor dem rochierten König: Teil II - Königssicherheit in ihrem breiteren positionellen Kontext". In Daniel Kings Dauerbrenner Move by Move steht eine Katalanisch-Partie auf dem Trainingsplan, siehe Diagramm links. Und in den Rubriken Taktik (Thema: Minimaterialisten) und Endspiel (Thema: Dominanz) haben Oliver Reeh und Karsten Müller wieder das Beste aus der aktuellen Turnierpraxis für Sie zusammengestellt.

 

Eröffnungs-Übersichten

Grivas: Sizilianisch B33

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Db6 5.Sb3 Sf6 6.Sc3 e6 7.Ld3 d6 8.0-0 a6 9.a4 Dc7

  In der Hermes-Variante (9.a4) wird die Ausbreitung am Damenflügel mittels ...b5 verhindert, aber davon hat Weiß recht wenig, denn im Vergleich zum Scheveninger System steht der Sb3 schlecht und ein Angriff am Königsflügel bringt nichts.

Postny: Sizilianisch B48

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 Dc7 6.Le3 a6 7.Dd2 Sf6 8.0-0-0 Lb4 9.f3 Se5 10.Sb3 b5 11.De1

 

Der neue Europameister Vladimir Potkin gewann bei seinem Titelgewinn gegen den hochmodernen Aufbau mit 11.De1 eine schöne Partie, aber Evgeny Postny hat trotzdem weißen Vorteil entdeckt. Doch er offeriert auch eine gute Alternative für Schwarz.

Moskalenko: Französisch C01

1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5

  Viktor Moskalenko ist von der Französischen Verteidigung begeistert und so ist es kein Wunder, dass er sich auch vor der Abtauschvariante nicht fürchtet. In seinem Beitrag offeriert der Großmeister gleich mehrere Pläne für Schwarz.

Dembo: Evans-Gambit C51

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Le7

  Inspiriert von Jan Gustafssons DVD "Offene Spiele" offeriert Yelena Dembo mit ihrem Beitrag ein komplettes Repertoire gegen das Evans-Gambit. Schwarz hat gemäß ihren Untersuchungen überall mindestens gleiches Spiel.

Kritz: Zweispringerspiel C58

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.exd5 Sa5 6.Lb5+ c6 7.dxc6 bxc6 8.Ld3

  Nach 8.Ld3 ist Weiß in der Lage, mit dem Springer von g5 nötigenfalls nach e4 zu gehen. Kritz analysiert fünf verschiedene Antworten, aber keine ist völlig zufriedenstellend für Schwarz.

Breutigam: Spanisch C68

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6 5.0-0 Lg4 6.h3 Lh5 7.g4 Lg6 8.Sxe5 Dh4 9.Df3 f6 10.Sxg6 hxg6

  Mit 6...Lh5 (statt des üblichen 6...h5) bietet Schwarz ein Bauernopfer an, welches Weiß annehmen sollte, wenn er auf Vorteil spielen will. Dann landet man schnell bei der Diagrammstellung, die dem Nachziehenden interessantes Spiel verspricht.

Kuzmin: Anti-Slawisch D23

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Dc2 dxc4 5.Dxc4 Lf5 6.g3 e6 7.Lg2 Sbd7 8.0-0 Le7 9.e3 0-0 10.Td1

  Die Stellung entsteht auch über das Angenommene Damengambit, hat aber viel größere Bedeutung als Waffe gegen Slawisch. Mit dem Zurückstellen von Sc3 sind ein paar Feinheiten verbunden, die Alexey Kuzmin in seinem Beitrag erläutert.

Stohl: Angenommenes Damengambit D27

1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 Sf6 4.e3 e6 5.Lxc4 c5 6.0-0 a6 7.Lb3

  Im ersten Teil seines Weiß-Repertoires auf Basis von 7.Lb3 untersucht Igor Stohl ein paar Nebenabspiele sowie das prinzipielle 7...b5, worauf 8.a4 folgt. Überraschend stark scheint dann 8...c4 zu sein.

Krasenkow: Halbslawisch D46

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.Ld3 0-0 8.0-0 dxc4 9.Lxc4 a6

  Mit 9...a6 statt der großen Alternativen 9...b5 und 9...e5 behält sich Schwarz genau diese beiden Züge noch vor und ist außerdem in manchen Abspielen zu 9...c5 bereit. Die Hauptvariante lautet 10.Td1 b5, gemäß Krasenkows Analysen hat Weiß keinen Vorteil.

Schandorff: Damengambit D52

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 Sbd7 6.e3 Da5 7.cxd5 Sxd5 8.Dd2 Lb4 9.Tc1 h6 10.Lh4 c5 11.Lc4

  Die Variante mit 10...c5 im Cambridge Springs galt als aussichtsreich, siehe auch den Beitrag von Rogozenco in CBM 118. Doch gegen das fast noch ungespielte 11.Lc4 musste sich Shirov in Wijk aan Zee zweimal geschlagen geben.

Hazai/Lukacs: Damengambit D56

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 Le7 5.Lg5 0-0 6.e3 h6 7.Lh4 Se4 8.Lxe7 Dxe7 9.Tc1 c6

  Die Lasker-Variante des Orthodoxen Damengambits ist zur Zeit in Mode. Laszlo Hazai und Peter Lukacs untersuchen das heute fast vorwiegend gespielte 9.Tc1, aber bei bestem schwarzen Spiel ist für Weiß kaum etwas zu holen.

Avrukh: Katalanisch E05

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Lg2 Le7 5.Sf3 0-0 6.0-0 dxc4 7.Dc2 a6 8.a4 Ld7 9.Dxc4 Lc6 10.Lf4

  Der Zug 8.a4 war eine Zeitlang aus der Mode, aber Boris Gelfand hat ein paar neue Ideen in der Variante mit 10.Lf4 gezeigt und seitdem mühen sich Schwarzspieler bisher vergeblich, einen vollen Ausgleich zu erzielen.

Marin: Bogoindisch E11

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 Lb4+ 4.Ld2 a5 5.Sc3 b6

  Mit dem Beitrag über 5...b6, immerhin der meist gespielte Zug in der Stellung, setzt Mihail Marin seine Serie von Bogoindisch-Varianten mit ...a5 fort. Bei genauem Spiel sollte Schwarz das Gleichgewicht wahren können.

Schipkov: Königsindisch E83

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f3 0-0 6.Le3 Sc6 7.Sge2 a6 8.Dd2 Ld7

  In einem früheren Beitrag hatte Boris Schipkov gezeigt, dass Schwarz nach dem alten Hauptzug 8...Tb8 mit 9.Tc1 in Schwierigkeiten gebracht wird. Nun gilt es zu prüfen, ob 8...Ld7 (mit der Idee 9.Tc1?! b5!) eine bessere Alternative sein kann.

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