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ChessBase Magazin 145

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Es scheint die richtige Zeit für Comebacks zu sein. Dieses Jahr überraschten bereits Boris Gelfand mit dem Gewinn des WM-Kandidatenturniers, Judit Polgar und Alexander Morozevich fanden auf beeindruckende Weise ins Spitzenschach zurück. Und nun ist es Peter Svidler der mit einem Mal von einen Erfolg zum anderen eilt. Den FIDE World Cup gewann der frühere Jugendweltmeister gar ohne eine einzige Niederlage. Anschließend war er mit seiner Mannschaft aus St. Petersburg beim Europapokal der Vereinsmannschaften, dem zweiten Turnierhighlight dieser Ausgabe, erfolgreich. Als Sieger des diesjährigen Grand-Slam-Finales durfte sich Magnus Carlsen dank erfolgreichen Tiebreaks gegen Ivanchuk feiern lassen. Das stärkste Turnier des Jahres bildet natürlich einen weiteren Schwerpunkt dieser Ausgabe. Zu den Starautoren auf der DVD gehören Carlsen, Karjakin, Polgar, Eljanov, Caruana, Gashimov, Volokitin, Vitiugov, Sutovsky u.a. Dazu warten 12 aktuelle Eröffnungsartikel mit ausführlichen Analysen und Repertoireideen auf Sie.

 

Einleitungsvideos

In bewährter Form stimmt Sie Großmeister Karsten Müller in seinem Einleitungsvideo mit jeweils einem Highlight der Topturniere auf diese neue DVD ein. U.a. erläutert er Carlsens Schlusskombination aus seiner zweiten Gewinnpartie gegen Ivanchuk beim Grand-Slam-Finale sowie Polgars Endspieltechnik aus ihrer dramatischen Partie gegen Dominguez Perez beim World Cup. Aus den zwölf Eröffnungsbeiträgen auf der DVD greift Müller Leonid Kritz' Artikel über die Französische Fort-Knox-Variante (3...dxe4 4.Sxe4 Ld7 nebst ...Lc6 und ...Lxf3) heraus, das aus weißer wie aus schwarzer Sicht interessant ist, sowie je eine Repertoire-Empfehlung gegen 1.e4: Krasenkow schlägt ein Fianchetto-System (1...g6  nebst Lg7, c6, d5 und Db6) vor, und Marin propagiert im Dreispringerspiel ebenfalls ein frühes Fianchetto des Königsläufers.

GM Dorian Rogozenco fasst in seinem Videorückblick die Turnierhöhepunkte der vergangenen beiden Monate zusammen. Peter Svidlers großartigen Sieg beim FIDE World Cup würdigt er u.a. durch eine Demonstration dessen genialer Mattkombination in der zweiten Partie gegen Kamsky. Vom nominell stärksten Turnier des Jahres - dem Grand-Slam-Finale in Sao Paulo und Bilbao - führt der Rumäne Ivanchuks fantastischen Schwarzsieg gegen Aronian vor, den GM Krasenkow auf der DVD ausführlich analysiert (s.u.).
26.09.-11.10.2011


Carlsen und Ivanchuk
machten die Musik

Grand-Slam-Finale Sao Paulo/Bilbao

Nur zwei der sechs Topspieler vermochten beim Grand-Slam-Finale Akzente zu setzen: Vassily Ivanchuk war der Mann der Hinrunde in Sao Paulo, Magnus Carlsen dominierte die Rückrunde in Bilbao. Bei der im Schach traditionell üblichen Wertung hätte der Norweger das Turnier mit 6 aus 10 gewonnen (vor Ivanchuk mit 5,5). Aufgrund des Verlaufs war es aber irgendwie schon stimmig, dass beide wegen der beim "Masters" angewandten Dreipunkte-Wertung am Ende auf 15 Punkte kamen. Ein Stichkampf mit Blitzbedenkzeit musste über den Turniersieg entscheiden. In der ersten Tiebreak-Partie stand Carlsen mit den weißen Steinen besser, doch Ivanchuk entschlüpfte ins Remis. Die zweite Partie hingegen war eine sehr einseitige Angelegenheit zugunsten des Norwegers, der damit einen weiteren Sieg bei einem Topturnier feiern durfte.


Carlsen,M - Ivanchuk,V 1-0
Stellung vor 17.Txd7

Ganze sechs seiner 15 Punkte holte Magnus Carlsen in seinen Partien gegen Ivanchuk - irgendwie scheint der Ukrainer mit seinem Stil nicht richtig klar zu kommen. Die zweite Partie zwischen den beiden Stars kommentiert Carlsen für Sie auf der DVD. Der Weltranglistenerste ging mit den weißen Steinen sehr energisch zu Werke und kam schon um den 15. Zug herum in einer Nebenvariante des Nimzoinders zu starker Initiative am Königsflügel. In der Brettstellung konnte Carlsen der Verlockung des Zuges 17.Txd7 nicht widerstehen. In seiner Analyse räumt er allerdings ein, dass er "mit einem etwas kühlerem Kopf" 17.Td4, gefolgt von Ld2 und Th4 gespielt hätte. Doch trotz einiger weiterer Ungenauigkeiten seinerseits und einer ungeahnten Verteidigungsressource seitens des Ukrainers konnte Carlsen die Partie dank des geschwächten schwarzen Königsflügels am Ende gewinnen. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und spielen Sie die Partie mit den Kommentaren des Grand-Slam-Siegers 2011 nach!


Aronian,L - Ivanchuk,V 0-1
Stellung vor 20.Sxf7

Das vielleicht beeindruckendste Beispiel dafür, wie Vassily Ivanchuk das Turnier in der Hinrunde dominierte, lieferte er in Runde vier gegen Levon Aronian ab. Beide Seiten gingen in dieser Partie hohes Risiko, doch mit 14.g2-g4 wurde der Armenier laut der Analyse von Krasenkow am falschen Flügel aktiv. Tatsächlich rückte statt dessen Ivanchuk mit 14...b5 am Damenflügel vor, und aus den Verwicklungen nach 16...c5 kam Schwarz mit dem besseren Ende für sich heraus. In der Brettstellung entschied sich Aronian für das Schlagen 20.Sxf7, doch nach 20...Dd5 ist die weiße Stellung in höherem Sinne bereits verloren. Anstelle des Textzuges hätte 20.exf7+ Kg8 21.bxc3 dxe3 22.Dh2 zu einer sehr komplizierten aber unklaren Stellung geführt.


Was lief schief?
Vallejo Pons,F - Ivanchuk,V 1-0
 

Einen entscheidenden Einschnitt im Turniergeschehen markiert die Partie Vallejo-Ivanchuk. Nach einem Sieg in der sechsten Runde kassierte der zu diesem Zeitpunkt scheinbar uneinholbar Führende seine zweite Niederlage. Der Spanier ging in der Grünfeld-Verteidigung im Zentrum vor und etablierte einen für diese Eröffnung typischen Freibauern auf d6. Im Schwerfigurenendspiel ging Ivanchuk dann zu optimistisch zu Werke (u.a. mit 22...Dxc3), sodass ihm die Partie schließlich entglitt. Der französische GM Edouard kommentiert diese sowie elf weitere Partien des Grand-Slam-Finales auf der DVD. Zudem hat der iranische GM Moradiabadi sechs weitere Partien mit Analysen versehen.
25.09.-01.10.2011


Das Siegerteam aus
St. Petersburg

Europapokal in Rogaska Slatina

Wenn es so etwas wie Glückssträhnen im Schach gibt, dann hat Peter Svidler derzeit eine. Nach seinen großartigen Siegen bei der Russischen Einzelmeisterschaft (CBM 144) und dem Gewinn des FIDE World-Cups (s.u.) war er auch beim Europapokal mit seiner Mannschaft St. Petersburg erfolgreich. Diesmal war seine Leistung allerdings nicht ausschlaggebend für den Erfolg. Hinter dem Spitzenbrett sorgten vielmehr Nikita Vitiugov, Sergei Movsesian und Vadim Zvjaginsev für die entscheidenden Punkte. Auf der DVD finden Sie nicht nur über 1200 Partien vom Europapokal, viele Teilnehmer haben eigene Partien für dieses ChessBase Magazin kommentiert, darunter Vitiugov, Volokitin, Eljanov, Sutovsky und Bartel.  


Vitiugov,N - Motylev,A 1-0
Stellung nach 19.Sc4

Gleich zwei strategisch erstklassige und für den Ausgang des Turniers wichtige Weißsiege kommentiert der 24-jährige Russe Nikita Vitiugov auf der DVD. Im Match gegen das Team Tomsk-400 traf er auf Alexander Motylev. Dessen Slawischkünste wollte Vitiugov nicht testen und eröffnete English mit 2.g3, mit der Aussicht auf eine lange Partie. Doch Motylev ging seinerseits engagiert zur Sache und baute aus der Eröffnung heraus Drohpotential gegen den weißen König auf. Eine kritische Stellung ist links im Diagramm zu sehen. Hier hätte Schwarz mit 19...Dh6 angesichts des drohenden Vorstoßes g7-g5 die Zugfolge 20.Sxd6 exd6 21.f4 a5 mit leichtem schwarzen Vorteil erzwingen können. Nach 19...Te8 hingegen erhielt Vitiugov mit 20.Se5 Lxe5 21.dxe5 Te6 22.Lc3 das bessere Spiel. Entschieden wurde die Partie allerdings in den Zeitnotphasen. Erst vergab Vitiugov seinen Vorteil durch einen Fehler im 35. Zug und dann ließ Motylev im Endspiel gleich mehrfach Remisabwicklungen aus und gab schließlich bei drei Minusbauern auf.


Volokitin,A - Drabke,L 1-0
Stellung vor 24...Lc8

Vom favorisierten Team SOCAR, das sich durch einen Sieg über Baden-Baden in der Schlussrunde noch die Silbermedaille eroberte, kommentieren mit Volokitin und Sutovsky zwei erfolgreiche Teilnehmer ihre besten Partien. Einen Tag nachdem SOCAR mit der Niederlage gegen Bosna Sarajevo praktisch die Chancen auf den Turniersieg eingebüßt hatte, spielte sich das Starensemble gegen die Underdogs der SF Reichenstein den Frust von der Seele. Beim 5,5:0,5 gelang Andrei Volokitin ein scharfer Angriffssieg gegen den deutschen IM Lorenz Drabke. Allerdings verteidigte sich Drabke lange Zeit gut und umsichtig. Erst in der Brettstellung geriet er nach dem zu passiven 24...Lc8 deutlich in Nachteil. Volokitin hat die Partie ausführlich analysiert und kommt am Ende seiner Berechnungen zu dem Schluss, dass Schwarz nach 24...Tac8 25.Tcf1 f5 entgegen dem ersten Anschein noch nicht verloren ist. In der Partie folgte nach 25.Tcf1 Sd8 der Einschlag 26.Sxd5 und nach einem Zeitnotfehler fand sich Drabke am Ende im Mattnetz seines Gegners wieder.


Sutovsky,E - Naiditsch,A 1-0
Stellung nach 27...Td8

Beim 4:2-Sieg in der Schlussrunde gegen den Deutschen Meister gelang Emil Sutovsky gegen Arkadij Naiditsch eine überzeugende Gewinnpartie gegen die Berliner Verteidigung. Der deutsche GM baute sich erwartungsgemäß mit 10...h6 auf. Sutovsky, der diese Spielweise in der Analyse auf der DVD als "ein wenig zu langsam" bezeichnet, forcierte das Geschehen u.a. mit dem frühen 16.e6. In der Brettstellung reagierte Naiditsch auf 27.Se4-g5 mit dem natürlich wirkenden 27...Ta8-d8 - doch das verliert die Partie. Nach dem feinen Zug 28.Td2 muss Schwarz erst auf d6 den Läufer tauschen, der a-Bauer fällt, der weißfeldrige Läufer wird zum Gejagten, und am Ende besiegelt der Einschlag 35.Txg6 das Schicksal des Nachziehenden. Auf der DVD kommentiert der israelische GM die Partie für Sie.


Pavel Eljanov (Saratov)
Diesmal "nur" Platz 4

In den letzten beiden Jahren stahl die russische Mannschaft Ekonomist Saratov allen anderen die Show und gewann jeweils ungeschlagen den Titel. Pavel Eljanov gehörte auch in Rogaska Slatina mit 5,5 aus 7 erneut zu den Topscorern. Dennoch reichte es dieses Mal nicht zur Titelverteidigung. Den entscheidenden Dämpfer gab es mit einer knappen Niederlage in Runde vier gegen Tomsk. Immerhin spielte Saratov (Tomashevsky, Nepomniachtchi, Eljanov, Moiseenko, Ni Hua, Alekseev) in der letzten Runde mit um die Medaillenränge, doch das 3:3 gegen SHSM-64 reichte nur für den vierten Platz.


Caruana,F - Eljanov,P 0-1
Stellung nach  54.Tb4

In der Schlussrunde gelang Pavel Eljanov ein interessanter Schwarzsieg mit Caro-Kann, den der Ukrainer auf der DVD analysiert. Sein Gegner, Fabiano Caruana, wählte die in letzter Zeit moderne Vorstoßvariante mit 4.Sd2 und 5.Sb3. Im Anschluss tauschte der Italiener sein Läuferpaar gegen das schwarze Springerpaar ab, erreichte dadurch aber keinen Vorteil. Zudem erwies sich das verbliebene Material als für den weißen Königsangriff nicht ausreichend, und nach Abtausch der Damen hatte Schwarz nichts mehr zu befürchten. im Gegenteil, nach ein paar kleinen Unachtsamkeiten bekam Eljanov Schritt für Schritt immer größeren Vorteil. Sehen Sie, mit welchem eleganten Manöver er mit Schwarz am Zug die Partie beendete?


Bartel,M - Predojevic,B 1-0
Stellung nach 14.Sxe2

Mit 6,5 aus 7 gehörte Mateusz Bartel vom Team Novy Bor zu den erfolgreichsten Spielern des Turniers. Auf der DVD kommentiert er zwei seiner Gewinnpartien. In Koykka-Bartel hatte er etwas Glück, dass sein Gegner nach dem objektiv fragwürdigen Qualitätsopfer 14...Txf3 nicht die optimale Fortsetzung fand und wenige Züge mit einem groben Fehler die bis dahin gute Partie ruinierte. In Bartel-Predojevic war der polnische GM im Zweispringerspiel mit 4.Sg5 d5 5.exd5 Sa5 6.Lb5+ Ld7 erfolgreich. Gemäß Bartels Analyse ist die kritische Stellung der Partie nach 14.Sxe2 erreicht (Diagramm). Sein Gegner griff zu dem verlockenden 14...Te5, doch nach 15.f4 Txd5 16.Df3 hat Weiß nicht nur einen Bauern mehr. Zudem sind die scheinaktiven schwarzen Figuren auf a5 und d5 eher Gejagte als Jäger. In der Partie ging Bartel tatsächlich zum Angriff über und läutete mit dem sehenswerten Opfer 29.Lc1-h6 die Entscheidung ein.
28.08.-19.09.11


Peter Svidler
Lachender Sieger

FIDE World Cup

Mit weißer Weste beendete Peter Svidler den FIDE World Cup von Khanty-Mansiysk 2011 und qualifizierte sich ebenso wie sein Finalgegner Alexander Grischuk und der Drittplatzierte Vassily Ivanchuk für das nächste WM-Kandidatenturnier. Auf dem Weg zu einem seiner größten Erfolge der vergangenen Jahre, musste Svidler anders als so mancher Mitstreiter nur zweimal (gegen Nguyen und Caruana) in den Tiebreak und gewann jeweils mit deutlichem Resultat. Auf der DVD finden Sie Partieanalysen diverser Teilnehmer des Turniers, u.a. von Caruana, Polgar, Gashimov und Potkin.


Svidler,P - Caruana,F 1-0
Stellung vor 29...c5

Fabiano Caruana kommentiert seine Schwarzniederlage gegen Svidler in der ersten Tie-Break-Partie. Nach zwei "ereignisarmen" klassischen Partien war der Italiener mit dem Verlauf der Eröffnung (Slawisch mit 4...Lg4 5.Db3) durchaus zufrieden. Und nach einem Fehler Svidlers (22.f4) erhielt er tatsächlich das bessere Spiel und nötigte ihn dazu, einen Bauern für ein Endspiel mit Initiative zu geben. Das Diagramm links zeigt die kritische Stellung, an der die Partie zu kippen begann. Caruana wählte 29...c5 und hadert damit, dass das Match und damit das gesamte Turnier nach 29...Sd5 30.Kf2 Td3 möglicherweise einen ganz anderen Verlauf genommen hätte. In der Partie ließ er stattdessen eine Reihe weiterer Ungenauigkeiten folgen, die in der Einsperrung des eigenen Turms kulminierte. In der zweiten Tiebreak-Partie besaß Caruana erneut Chancen (32.Lxe5), doch im Endspiel stellte er schließlich eine Figur ein und verlor auch diese Partie.


Judit Polgar
kommentiert
 

In den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte einmal mehr seit Ihrem Comeback Judit Polgar. Mit einem glänzenden dritten Platz bei der Europameisterschaft hatte sie sich im Frühjahr für den World Cup qualifiziert. Und auch hier machte sie eine gute Figur. Unter anderem schaltete sie Sergei Movsesian und den Elo-stärksten Teilnehmer, Sergej Karjakin, aus und bewies teilweise enorme Nerven- und Willensstärke. Wie zuvor Caruana scheiterte aber auch sie am überragenden Svidler.


Dominguez Perez,L - Polgar,J 0-1
Stellung vor 18.Lxf5

Zu Beginn der Analyse ihrer zweiten Partie gegen Leinier Dominguez-Perez geht Judit Polgar auf ihre bisherigen Turniererfahrungen in Khanty-Mansiysk ein. Immerhin war dieser World-Cup bereits ihr drittes Turnier im sibirischen Schachmekka. Die Vorzeichen zu dieser Partie standen für die Ungarin denkbar ungünstig. Mit Weiß hatte sie die erste Partie verloren, nun musste mit Schwarz ein Sieg her. In der Hoffnung auf eine kämpferische Partie griff Polgar zu 4...Db6 im Sizilianer. Dominguez spielte mit und opferte erst einen Läufer und vier Züge späteren den anderen. Doch heraus kam weder ein Matt noch ein Dauerschach, sondern ein recht vertracktes Endspiel, in dem Polgar nach und nach die Oberhand und schließlich eine Gewinnstellung erhielt. Doch sie fand den Gewinnweg nicht und wurde so nervös, dass ihr eine dreifache Stellungswiederholung unterlief. Remis? Nein. Dominguez entging dieses Detail, das ihm die Partie und aufgrund der Niederlage im folgenden Tiebreak den Einzug in die nächste Runde kostete. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und spielen Sie diese hochgradig spannende und wechselvolle Partie mit den ausführlichen Kommentaren von Judit Polgar nach!


Shirov,A - Potkin,V 0-1
Stellung vor 32...0-0

Der amtierende Europameister, Vladimir Potkin, nahm erstmals am World Cup teil. Mit Shirov und Vitiugov warf er zwei 2700er aus dem Rennen, bevor er gegen den späteren Finalisten Grischuk den Kürzeren zog. Auf der DVD kommentiert er seinen Französischsieg gegen Shirov für Sie. Der Wahlspanier hatte die erste Partie verloren, nun versuchte er mit Hilfe einiger unkonventioneller Eröffnungszüge (10.g3 und 12.Lh3) Unruhe zu stiften. Das gelang nur eingeschränkt. Nach Potkins 17...Dc2+ ging es in ein Endspiel, in dem Weiß  erst ein, dann zwei Bauern für die Qualität hat. Dafür aber bekam Potkin Aktivität. In der Brettstellung stellt die Rochade im 32. Zug die Falle, in die Shirov in Zeitnot tappte. Sehen Sie, mit welchem Trick 33.e6 bestraft wird?


Vugar Gashimov

Bis ins Viertelfinale gelangte Vugar Gashimov u.a. nach Siegen über Azarov, Tomashevsky und Heine Nielsen. Auf der DVD kommentiert er eine Gewinnpartie gegen Azarov sowie eine Verlustpartie gegen Ponomariov, die für den Aserbaidschaner den Schlusspunkt in diesem Turnier bedeutete. In Gashimov-Ponomariov verbrauchte er, wie er in seiner Analyse erläutert, schon in der Eröffnungsphase (Berliner Verteidigung) viel zu viel Zeit. Und im Endspiel mit Turm+Läufer gegen Turm+Springer versäumte er es, sich beizeiten mit einem Remis abzufinden und unterlag am Ende in einem technisch anspruchsvollen Endspiel mit Läufer gegen Springer, das Karsten Müller in einer Videoanalyse seiner Endspielrubrik erklärt.


Gashimov,V - Azarov,S 1-0
Stellung vor 19.Da3

Ungleich schwungvoller und erfolgreicher verlief seine Weißpartie gegen Sergei Azarov in der zweiten Runde. Dessen Jänisch-Gambit begegnete Gashimov mit 4.d3 fxe4 5.dxe4 Sf6 und dann mit dem bislang kaum gespielten 6.Le3. Nach langer Rochade und Prophylaxe am Damenflügel ging er mit vorgerückten h-Bauern und Springeropfer auf g6 der Königsstellung des Weißrussen zu Leibe. In der Brettstellung bewies Gashimov mit dem wunderbaren, stillen Zug 19.Da3 Weitblick. Schon hängt das klassische Motiv: Verdoppelung der Türme auf der h-Linie, Doppelturmopfer (auf g8 und h8), Schach der Dame auf h3 und nachfolgend Matt in der Luft. Doch so weit kam es gar nicht. Azarov gab die Partie schon nach wenigen Zwischenzügen auf.



Karjakin,S - Laznicka,V 1-0
Stellung nach 12...Sxb4

Sergei Karjakin kommentiert

Gemeinsam mit Etienne Bacrot gewann Sergei Karjakin im Oktober das 12. Karpov-Turnier im russischen Poikovsky. Bei diesem erneut stark besetzten Turnier (Kategorie 19) lag die Remisquote beachtlich hoch (zwischenzeitlich bei 80%), und so reichte den beiden Siegern am Ende schon ein Score von +2. Auf der DVD kommentiert Karjakin seinen Sieg gegen Viktor Laznicka. Der tschechische GM wählte eine scharfe Variante in der Caro-Kann Vorstoßvariante und hatte das Pech, auf einen bestens präparierten Gegner zu treffen. Die Vorgängerpartie zu dessen 11...Lb4 hatte Karjakin bereits analysiert und den Textzug als "big mistake" ausgemacht. Nach 12.Txb4 Sxb4 (Diagramm) ließ er die Neuerung 13.Ld1 folgen, und Schwarz stand schon am Abgrund. Laznicka fand zunächst noch die besten Antworten, doch ein Fehlgriff (18...Le2) reichte, um die Partie komplett wegzustellen. Spielen Sie die Partie mit den Kommentaren des Spitzengroßmeisters nach und genießen Sie eine Partie voller taktischer Pointen!

 


Taktik-Kolumne
Wie musste Weiß hier spielen?

Von der Eröffnungsfalle bis zur Endspielstudie

Training im ChessBase Magazin beginnt mit den allerersten Zügen und umfasst alle Phasen einer Schachpartie. Die aktuellen 12 Eröffnungsartikel mit vielen Ideen und Anregungen für Ihr Repertoire finden Sie auch oben bei den Links. Die Eröffnungsfalle von Rainer Knaak (inklusive Fritztrainer-Video) enthält diesmal eine Pirc-Falle (B06). Im Videoformat sind auch die Eröffnungsbeiträge von Leonid Kritz (Französisch Winawer-Variante), Valeri Lilov (Colle-System) und Dejan Bojkov (Angen. Damengambit) erstellt worden. Diese Videos finden Sie in der Rubrik Fritztrainer. Das Thema von Peter Wells in seiner Strategie-Kolumne lautet: "Zum Zentrum hin schlagen?". In Daniel Kings Dauerbrenner Move by Move steht eine Partie mit der Philidor-Verteidigung auf dem Trainingsplan. Und in den Rubriken Taktik (Thema: Damen unter Beschuss) und Endspiel (Thema: Turmendspieltricks) haben Oliver Reeh und Karsten Müller wieder das Beste aus der aktuellen Turnierpraxis für Sie zusammengestellt.
 

 

Eröffnungs-Übersichten

Schipkov: Holländisch A99

1.d4 f5 2.c4 Sf6 3.Sf3 e6 4.g3 Le7 5.Lg2 0-0 6.0-0 d6 7.Sc3 De8 8.b3

 

Mit 8.b3 bereitet Weiß die Läuferentwicklung nach b2 oder a3 vor, dabei hat er den Plan zu e2-e4 nicht aufgegeben, diesmal aber eher mit dem Vorbereitungszug Dc2. Schwarz kann sich mit verschiedenen Zügen gut behaupten: 8...Dh5, aber auch 8...a5 und sogar 8...c6.

Prié: Skandinavisch B01

1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 4.d4 Sf6 5.Sf3 Lf5 6.Lc4 c6 7.Ld2 Lb4

 

 

Die Läuferentwicklung nach b4 ist ein ziemlich neuer Trend in der Skandinavischen Hauptvariante, aber die damit verbundene Aufgabe des Läuferpaars kann Schwarz verschmerzen. Häufig entwickelt er seinen Springer nach c6 und entwickelt Druck gegen den Bauern d4.

Stohl: Pirc-Verteidigung B09

1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.f4 Lg7 5.Sf3 0-0 6.e5

 

Schwarz muss sich nach dem offensiven 6.e5 entscheiden: 6...dxe5 mit dem möglichen Endspiel nach 7.dxe5 Dxd1+ 8.Kxd1 oder 6...Sfd7, wonach der schwarze Königsflügel ziemlich entblößt dasteht und man gut wissen sollte, wie es nach 7.h4 weitergeht.

Postny: Caro-Kann B13

1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 dxc4 7.Lxc4

 

Zweifellos ist 6.Lg5 ein guter Zug, wenn Schwarz nicht auf c4 schlägt. Tut er es doch, fragt sich, wie in der Diagrammstellung mit dem hängenden Bauern d4 zu verfahren ist. Evgeny Postny zeigt in seinem Beitrag, dass sowohl 7...Dxd4 als auch 7...h6 gut spielbar ist.

Krasenkow: Caro-Kann/Pirc-Verteidigung B15

1.e4 g6 2.d4 Lg7 3.Sc3 c6 4.f4 d5 5.e5 Db6

 

Michal Krasenkow besitzt gute Kenntnisse und praktische Erfahrungen mit diesem Aufbau für Schwarz, mit dem man auch aggressiv auf Gewinn spielen kann. Ein klarer Weg zum Eröffnungsvorteil für Weiß ist nicht zu erkennen.

Grivas: Sizilianisch B33

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Db6 5.Sb3 Sf6 6.Sc3 e6 7.a3

 

Mit dem Randbauernzug verhindert Weiß nicht nur ...Lb4 und ...Sb4, sondern bereitet unmittelbar 8.Lf4 vor (7.Lf4?! Lb4!). Die Empfehlung von Efstratios Grivas lautet daher auch 7...Dc7!, wonach Schwarz in allen Abspielen zufriedenstellendes Spiel erhält.

Moskalenko: Französisch C02

1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3

 

Die großen Erfolge von Alexander Grischuk in der Vorstoßvariante begründet Viktor Moskalenko vor allem damit, dass seine Gegner (Ivanchuk und Morozevich!) mit 4...Ld7 bzw. 4...Sc6 5.Sf3 Ld7 den Lc8 viel zu früh entwickelt haben. Der Autor stellt in seinem Beitrag 5...Sge7 vor.

Kritz: Französisch C10

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 (oder 3.Sd2) 3...dxe4 4.Sxe4 Ld7

 

Schwarz bringt seinen Läufer nach c6 und tauscht ihn dann häufig gegen einen Springer auf f3 ab. Der Aufbau ist sicher, weil Schwarz keine Schwächen hat und sich leicht entwickeln kann. Leonid Kritz zeigt, wie Weiß in Vorteil kommt, aber Schwarz dennoch gute Chancen auf remis besitzt.

Marin: Dreispringerspiel C46

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 g6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Lg7 6.Le3 Sf6

 

Mit seinem Aufbau bezweckt Schwarz vor allem, den öden Stellungen des Vierspringerspiels zu entkommen. Wenn Weiß in der Diagrammstellung harmlos fortfährt, kann Schwarz auf gutes Spiel rechnen, deshalb ist aggressives Vorgehen angebracht.

Ftacnik: Halbslawisch D31

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c6 4.e4 dxe4 5.Sxe4 Lb4+ 6.Ld2 Dxd4 7.Lxb4 Dxe4+ 8.Le2 Sa6 9.La5

 

Dieses gefährliche Gambit lässt sich kurz charakterisieren: Weiß besitzt keinen Eröffnungsvorteil, punktet aber in der Praxis sehr gut. Für den Schwarzspieler gibt es nur eine Schlussfolgerung: er muss die Varianten gut kennen, wenn er sich darauf einlässt.

Breutigam: Tarrasch-Verteidigung D34

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 c5 4.cxd5 exd5 5.g3 Sf6 6.Lg2 Sc6 7.0-0 Le7

 

In seinem zweiten Beitrag zur Tarrasch-Verteidigung zeigt Martin Breutigam, dass Schwarz im Rubinstein-System auch die Nebenvarianten (8.Sc3 0-0 9.b3 bzw. 9.dxc5 oder 9.Le3, aber auch 8.Le3) nicht fürchten muss.

Kuzmin: Katalanisch E04

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.g3 dxc4 5.Lg2 Lb4+ 6.Ld2 c5

 

Die Idee, mit ...c5 den Lb4 zu decken, stammt von Alvins Vitolins und wurde zuerst im Bogoinder angewendet. Die Übertragung auf Katalanisch ist noch recht neu, hat sich aber bisher gut bewährt. Prinzipiell sollte Weiß wohl darauf eingehen und auf b4 schlagen.